Mindset
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Abgelenkt oder gut fokussiert auf das wesentliche im Leben?

Ein vorbildlicher Fokus?

Ich sitze an meinem Schreibtisch und warte auf meine Tochter. Wir hatten ausgemacht, dass wir gemeinsam Englisch lernen wollen. Als sie zu mir kommt, merke ich an ihrer Stimme, dass sie gedanklich ganz wo anders ist und daher nicht gerade motiviert ist, Englisch zu lernen. Diese Einstellung von ihr, löst einen Ärger in mir aus. Wie ein Vulkan brodelt es in mir, wodurch der Ärger zu stark wird und meine Handlungen laufen leider unkontrolliert ab. Dadurch verhalte ich mich nicht gerade wie ein vorbildlicher Papa.

Ich mache ihren Vorwurf, dass sie nicht die richtige Einstellung mitbringt. Leider spreche ich etwas zu laut wobei ich ihr sage, dass sie mit dieser Konzentration oder Fokus nicht gerade lernen kann und an ihrem Fokus oder Konzentration arbeiten muss damit das Lernen ihr leichter fällt. So werfe ich ihr vor, dass sie ein falsches Bild über das Lernen hat und dies verbessern muss. Die Situation eskaliert und sie steht verärgert auf. Macht mir ebenfalls Vorwürfe, das ich nicht gerade ein Vorbildlicher Papa bin. Der Papa hätte ebenfalls keine Konzentration und ist nicht in der Lage fokussiert mit ihr Englisch zu lernen. Ja da hatte meine liebe Tochter, mal wieder Recht!

Eine besondere Fähigkeit geht verloren

Nachdem etwas Zeit vergangen war, hatte ich mich beruhigt. Glücklicherweise hatte sich meine Tochter ebenfalls beruhigt. Daher versuchte ich wieder ein Gespräch mit ihr zu führen. Aber diesmal nicht mit dem Gedanken wieder ihr erklären zu wollen wie wichtig eine starke Fokussierung auf eine Aufgabe ist. Ich wollte mehr ihr verhalten verstehen, damit ich das Problem verstehe um ihr besser helfen zu können. Mit dieser Sichtweise war ich besser in der Lage mich auf das eigentliche Problem zu fokussieren.

Das halten Der Konzentration oder des Fokus auf eine Aufgabe oder auf ein Ziel, ist eine besondere Fähigkeit. Leider geht diese Fähigkeit in der heutigen Zeit, immer mehr verloren. In diesem Artikel möchte ich zeigen, was genau dazu führt, dass der Fokus immer mehr verloren geht und das diese Fähigkeit sehr wichtig ist um im Leben vorwärtszukommen.

Was hat einen negativen Einfluss auf den Fokus?

Warum geht ein starker Fokus in der heutigen Zeit immer mehr und mehr verloren? Sind vielleicht die elektronischen Geräte wie Smartphone oder Tablets schuld daran? Viele Wissenschaftler untersuchen diese Frage. Um diese Frage beantworten zu können, habe ich mir die Untersuchung „EU Kids Online“ angeschaut. Eine Untersuchung welches einmal im Jahre 2010 und einmal im Jahre 2020 in 19 europäischen Ländern durchgeführt worden ist. Dabei wurden Kinder im Alter zwischen 9 und 16 Jahren untersucht. Bei der Untersuchung wurde beobachtet, wie Kinder Zugang zum Internet haben, wie lange die Kinder das Internet nutzen und welchen Einfluss dies auf die Entwicklung des Kindes hat.

Bei dieser Untersuchung wird erwähnt, dass 80 Prozent der Kinder zwischen 9 und 16 Jahren aus 11 europäischen Ländern einmal täglich auf ein Smartphone zugreifen um das Internet zu nutzen. Im Jahre 2010 waren es nur 31 Prozent, wodurch man sehr klar erkennen kann, dass die Nutzung des Internet durch Kinder, sehr stark angestiegen ist.

Natürlich erkennt man an diesem Wert noch nicht, dass dieser Anstieg einen positiven oder negativen Effekt hat. Positiv könnte sein wenn man diese Zeit als Zugang zu mehr Wissen nutzt wodurch die Bildung des Kindes gefordert wird. Negativ ist dagegen, wenn man diese Zeit für Videos oder Videospiele nutzt, indem z.B. viel Gewalt vorkommt oder die Aufmerksamkeit durch wiederholende Werbung Ablenkungen verursacht und so den Fokus abschwächt. Dies kann dann zu mehr Aggressivität beim Kind führen.

Ein weiterer Punkt ist die Zeit, die täglich im Internet verbracht wird. Diese Zeit variiert zwischen den Altersgruppen sehr stark. Wobei die Altersgruppe mit 15 bis 16 Jahren deutlich mehr Zeit im Internet verbringen als die Altersgruppe 9 bis 11 Jahren. Die Altersgruppe 15 bis 16 Jahren verbringen durchschnittlich bis zu 4 Stunden täglich im Internet wobei die Altersgruppe 9 bis 11 Jahren bei 1 Stunde pro Tag liegen. Dies ist ein Durchschnittswert auf 19 Länder bezogen. Es kann also sein, dass Kinder viel länger Online sind.

Die meiste Zeit davon wird für das Video anschauen genutzt und zwar bis zu 50 Prozent. An zweiter Stelle kommt das Online Spielen. Dagegen fallen die Kategorien wie „das Internet für Hausaufgaben nutzen“ oder „nach Information für die Bildung suchen“ eher schwach aus. Es wird in der Untersuchung erwähnt, dass die Ermittlung dieser Werte nicht einfach war, weil z.B. Kinder das Anschauen von Videos über ein Streaming Anbieter auf einem Fernsehen nicht als Video anschauen definierten. Wodurch der Wert für Videoanschauen viel niedriger ausfällt, als er tatsächlich sein sollte.

Man kann in dieser Untersuchung aber sehr deutlich erkennen, dass die Nutzung des Internets angestiegen ist, in den meisten EU Ländern hat sich die Internetnutzung zwischen 2010 und 2020 verdoppelt. Die meiste Zeit wird aber für die Unterhaltung wie Videos anschauen, Online Spiele oder Social Networking genutzt.

Wenn also sehr viel Zeit der Onlineaktivitäten nicht für die Bildung, sondern mehr für die Unterhaltung genutzt wird, welche Einflüsse kann dies auf die Konzentration oder den Fokus des Kindes haben? Hierzu habe ich im Artikel „Cortical surface variation in individuals with excessive smartphone use” welches im Jahre 2022 im “Journal of Computer assisted learning” erschienen ist, etwas sehr Interessantes gefunden.

In dieser Untersuchung wird untersucht welchen Einfluss übermäßiger Nutzung von Smartphone auf die physische Gesundheit und Wohlbefinden bei jungen Erwachsenen hat. Die Untersuchung wird durch Nutzung der strukturellen Magnetresonanztomographie oder auch MRT genannt durchgeführt. Dabei wird untersucht, welchen Einfluss das übermäßige nutzen des Smartphones auf die neurobiologischen Mechanismen hat. Man kann in dieser Untersuchung zeigen das übermäßige Nutzung von Smartphone mit einer abweichenden strukturellen Reifung von Regionen verbunden ist, die für die kognitive Kontrolle und emotionale Regulierung wichtig sind.

In einer weiteren Untersuchung mit dem Titel: „Psychological and Emotional Effects of Digital Technology on Children in COVID-19 Pandemic“, welches in der Zeit der COVID-19 Pandemie   durchgeführt wurde und untersucht, welchen Einfluss die Nutzung von elektronischen Geräten auf die physischen und emotionalen Verhalten hat, möchte ich den folgenden Text zitieren: Zusammen mit dem Hirntumorrisiko berichtete die WHO, dass das Mobiltelefon ein Gesundheitsrisiko darstellt, einschließlich Aufmerksamkeitsmangel, beeinträchtigter Kognition, beeinträchtigtem Lernen, Schlafstörungen und Stressempfindlichkeit. Andere Erkrankungen sind die Alzheimer-Krankheit, „erkrankte Demenz“, Depressionen, Angstzustände und das Risiko, eine mögliche neurodegenerative Erkrankung zu entwickeln.

Natürlich wird in den Untersuchungen nicht eindeutig hervorgehoben, dass übermäßiger nutzen von Smartphone eine Auswirkung auf den Fokus oder auf die Konzentration hat. Doch sind die Ergebnisse besorgniserregend, weil die erhöhte Nutzung von elektronischen Geräten einen negativen Einfluss auf die Gehirnentwicklung bei Kindern hat, welches auch zuständig für die kognitiven Fähigkeiten und Kontrolle der Emotionen sind.

Natürlich möchte ich nicht herausbrüllen: „Nimmt den Kindern das Smartphone weg“. Denn dann würde ich den Kindern die Möglichkeit wegnehmen, leicht zu Wissen zu gelangen und Wissen anzueignen. Wie gut auch diese Möglichkeit auch ist, zeigt die Untersuchungen der „EU Kids Online“, wie wenig elektronische Geräte für die Bildung genutzt werden, sondern mehr für die Unterhaltung.

Ich muss zugeben, dass ich einige Zeit versucht habe, das Smartphone und das Fernsehen zu verbitten was aber bei mir Zuhause eine unglaubliche Demonstration ausgelöst hatte. Meine Kinder sahen mich in dieser Zeit als ein böser Herrscher an, der die Möglichkeiten der Weiterbildung und Weiterentwicklung wegnahm.

Den Smartphone darf man den Kindern nicht wegnehmen. Man sollte aber meiner Meinung nach mit den Kindern genau Besprechen was für sie beim Smartphone gut ist und was nicht. Man gibt einem Kind auch nicht einfach ein Messer in die Hand und schaut zu was es damit macht. Man zeigt einem Kind, dass man mit einem Messer ein Brot und eine Wurst schneiden kann. Die Gurke und die Tomaten für den Salat zurechtschneidet oder die Gemüse für das Essen vorbreitet. Natürlich verwenden manche auch einen Messer als ein Schraubenzieher, Lineal, Hammer oder der Hose ein neues Design anzupassen.

Man macht auch einem Kind klar, dass ein Messer gefährlich ist, weil man sich schneiden und verletzen kann, wenn man nicht aufpasst. Man sorgt dafür, dass das Kind Wissen über das Messer hat damit es richtig mit dem Messer umgehen kann.

Wenn man im Falle eines Messers mit dem Kind bespricht, was das Vor und Nachteile sind, warum sollte man es auch nicht im Falle von Smartphones tun?

Die Erklärung benötigt Zeit und Geduld

Meine Frau und ich haben bemerkt, wenn man den Smartphone den Kindern verbieten möchte, dann muss man sehr viel Zeit und Geduld für die Kinder haben. Denn die Kinder sind sehr aktiv. Sie sind neugierig und experimentierfreudig. Mein Sohn ist sehr neugierig und stellt mir jeden Tag mindestens 1000 interessante Fragen. Besonders diese Fragen fand ich sehr interessant: Wie groß muss eine Linse sein um in einer Pfanne genug Hitze zu erzeugen damit man Eier mit Sucuk darin braten kann? Oder wenn ein Baby eine Körpergröße von 1 km hat, wie hoch würde es fliegen, wenn es pupst.

Meine Tochter ist sehr experimentierfreudig. Es ist unglaublich, was sie alles auf den Tisch zaubern kann. Letztens hat sie für uns was sehr interessantes zubereitet. Es war leicht süßlich mit Schafskäse, ähnlich wie ein Toast. Das äußere vom Toast hat sie mit Ei und Paniermehl leicht krustig gemacht.

Es ist schon sehr interessant, wie die Kinder ihre Zeit wertvoll nutzen können, wenn man sie dabei richtig unterstützt. Natürlich muss man als eine Mama oder Papa hierbei sehr geduldig sein. Denn wenn mir mein Sohn die Tausenste Frage stellt, dann antworte ich nicht mit der gleichen Geduld wie bei der ersten Frage.

Auch die Küche sieht nach dem Toast zubereiten nicht mehr so aus wie es davor war. Alles liegt herum und die Reinigung der Küche benötigt viele stunden.

Man kommt zu einem Punkt und stellt sich die Frage wozu das Ganze. Man würde am liebsten das Smartphone in die Hand drücken und das Kind in ihr Zimmer verbannen. Am besten für mehrere Stunden.

Doch tut man dadurch etwas Gutes für das Kind? Aus den Studien weiß man, dass die lange Nutzung des Smartphones einen negativen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten und emotionale Kontrolle hat. Will man wirklich dieses Risiko eingehen, so dass die Kinder viele Stunden auf einem Bildschirm starren und immer passiver werden und so viel weniger mit der Familie kommunizieren?

Ich möchte diese Entscheidung keinem wegnehmen. Als eine Mama oder Papa sollte man sich überlegen was einem wichtiger ist. Die Ruhe oder das Kind. Im Falle des Kindes sollte man aber dafür sorgen, dass man viel Energie tankt. Tut man es nicht, dann ist es genau so wie bei mir und meiner Tochter, als wir zusammen Englisch lernen wollten. Ich war zu schnell verärgert und gereizt, weil ich an diesem Tag zu lange gearbeitet hatte und nicht dafür sorgte Energie zu tanken. Mein Fokus war dadurch zerstreut und nicht auf das Lernen gerichtet. Doch ein guter Fokus ist hierbei sehr wichtig, damit man sich auf das Kind und Lernen konzentrieren kann, so, dass man nicht schnell vom Lernen abgelenkt und dann durch den Ärger geleitet wird. Auch möchte man dem Kind ein gutes Beispiel sein, damit es lernt, wie wichtig ein guter Fokus ist um im Leben vorwärtszukommen.

Ich möchte also noch einmal betonen, dass es sehr wichtig ist richtig Energie zu tanken, wenn man als Mama oder Papa geduldig sein Kind unterstützen möchte, so dass ein Kind lernen kann, sich auf das wesentliche im eigenen Leben fokussieren kann!

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