Langes Arbeiten – kurzes Arbeiten

Die Illusion vom langen arbeiten

Immer mehr Tätigkeiten finden im Büro hinter dem Computer oder am Arbeitstisch statt. Hierbei ist die emotionale Fassung und die Konzentration wichtige Faktoren um die Qualität dieser Tätigkeiten positiv zu beeinflussen. Doch meistens achtet man nicht darauf. Dies möchte ich an einem fiktiven Beispiel verdeutlichen. Es ist Abend, 19 Uhr und Jens sitzt immer noch im Büro. Er hat noch viel zu erledigen und hat sich daher den ganzen Tag keine Erholung gegönnt. Der innere Druck die offenen Aufgaben müssen heute Abend erledigt werden, verursachen das lange Arbeiten und das vermeiden von Erholungspausen. Er schaut kurz auf sein Smartphone und sieht, das viele ungelesene Nachrichten von den Kindern und seiner Frau vorhanden sind. Das bereitet Jens noch mehr Stress. Er merkt, dass das lange arbeiten, ihm und seiner Familie nicht gut tun.

Das lange Arbeiten verursacht Probleme

An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Einstellung von Jens: Langes Arbeiten ohne Erholungspause im Büro verursacht bessere Ergebnisse nicht aufgeht. Das lange Arbeiten verursacht Probleme mit der Familie. Dadurch wird die emotionale Energie stark beansprucht was meistens dazu führt, dass man sich sehr schnell müde oder erschöpft fühlt. Diese Zustände verursachen Stress und dadurch sinkt die Konzentration und man ist nicht mehr in der Lage an Aufgaben zu arbeiten, die durch ihr Komplexität eine erhöhte Konzentration erfordern. Da durch diese Arbeitsweise die emotionale und mentale Energie ausgebeutet wird, fühlt man sich am Abend total ausgelaugt. So hat Jens am Abend keine Energie mehr sich aufmerksam mit der Familie zu unterhalten. Er stellt fest, dass seine arbeitsweise ihm nicht gut tut. In diesem Podcast möchte ich Dir eine Arbeitsweise vorstellen, womit man diese Probleme beseitigen kann ohne mehr Stunden in die Arbeit investieren zu müssen.

Ein Sprinter oder ein Marathon Läufer

Wenn man über den Tag im Buro oder am Arbeitstisch arbeitet, kann man sich den Tag in 2 Varianten unterteilen. Einmal als Sprinter oder als ein Marathon Läufer. Der Sprinter befindet sich an der Startlinie und fokussiert die Ziellinie an. Er hat alles im Überblick. Er muss 100  Prozent die ersten Sekunden geben, damit er den Rest auslaufen kann. Wie gut diese 100 Prozent ist, wird darüber entscheiden, wie gut er die Ziellinie erreicht. Er konzentriert sich also auf die 100 Prozent Leistung in dieser Zeitspanne was ihm zur Verfügung steht um das optimale aus sich herauszuholen. Das bedeutet also, dass der Sprinter den Tag in kürzere Abschnitte unterteilt. In diesen kurzen Abschnitten gibt er 100 Prozent. In diesem Zeitabschnitten stehen auch schneller die Ergebnisse für die vordefinierten Aufgaben zur Verfügung. Betrachten wir nun wie es ist, wenn man sich den Tag als Marathon Läufer unterteilt. Ein Marathon Läufer steht an der Startlinie und weiß, dass das Ergebnis erst nach mehreren Stunden vorliegen wird. Der gesamte Lauf ist auch viel anstrengender weil die längere Zeitspanne bis das Ergebnis sichtbar ist, viel mehr Energie benötigt. Ist der Lauf beendet, wird er auch viel Zeit benötigen, um sich wieder zu regenerieren. Der Marathon Läufer muss sich den Lauf und seine Energie so koordinieren, dass er über eine viel Längere Zeit sein bestes geben kann. Dies ist sehr anspruchsvoll.

Jens verhält sich in seiner Arbeitsweise wie ein Marathon Läufer vergisst dabei dass diese Arbeitsweise aber viel anstrengender ist und daher viel mehr Energie über den Tag benötigt. Viele Menschen teilen sich den Tag als ein Marathon Läufer ein, sind sich  aber meistens nicht bewusst, dass diese Arbeitsweise viel mehr anstrengender ist.

Natürlich ist es auch anstrengend den Tag als Sprinter einzuteilen doch der Vorteil ist es dass man sich ungefähr nach 90 bis 120 Minuten eine bewusste Pause gönnt um sich zu regenerieren. Diese Regeneration fehlt, wenn man den Tag als Marathon Läufer durchläuft. Ein weiterer Vorteil ist es, dass man die emotionale und mentale Energie besser über den Tag aufteilt und sie so nicht über strapaziert.

Man sollte sich also bewusst entscheiden wie man sich den  Tag aufteilen möchte. Also als Sprinter der sich Zeitfenster von 90 bis 120 Minuten definiert und darin versucht 100 Prozent zu geben oder als ein Marathon Läufer, der versucht den gesamten Tag 100 Prozent zu geben. Doch den ganzen Tag 100 Prozent im Büro zu geben bedeutet über den ganzen Tag emotional Belastbarkeit und mental hohe Konzentration aufzubringen, was viel mehr anstrengender ist.

Ich habe festgestellt, dass das Bild von einem Sprinter besser für die Arbeitsweise passt welches hohe Konzentration benötigt und emotional belastend ist. Diese Arbeitsweisen oder Vorgehensweisen sind z.B. sportliches Training, wissenschaftliches Arbeiten, Teamleitung, arbeiten am Computer  oder Vorbereitung auf eine Prüfung. Auch Tony Schwartz beschreibt in seinem Buch: „The way we are working isn’t working”, dass für diese Tätigkeiten die Vorgehensweise eines Sprinters besser geeignet ist.

Das bedeutet dass man nach diesem Leistungsfenster sich eine Pause gönnen sollte.

Dabei nimmt er Bezug zu den Ergebnissen aus der Chronobiologie, dass der Mensch einen Leistungsfenster von 90 Minuten bis maximal von 120 Minuten hat. Das bedeutet dass man nach diesem Leistungsfenster sich eine Pause gönnen sollte.

Leider wird darauf nicht so geachtet. Man arbeitet über diesen Leistungsfenster hinaus und beutet so die eigenen Ressourcen aus was dann dazu führt, dass die emotionale und mentale Energie fast leer sind.

Aus der Chronobiologie weiss man dass auch Rythem in unserem Körper vorhanden sind. Ein Beispiel dafür ist der Schlaf Wach Rhythmus. Für den Schlaf schüttet der Körper das Schlafhormon Melatonin aus. Damit man wieder aufstehen kann, schüttet der Körper Kortisol aus. Diese Prozesse die nur einmal pro Tag vorkommen, nennt man zirkadiane Rhythmen.

Dann gibt es Rhythmen in unserem Körper die mehrmals pro Tag vorkommen. Diese nennt man ultradiane Rhythmen. Ein Beispiel hierfür sind die unterschiedliche Phasen des Schlafes die mehrmals pro Nacht vorkommen oder die zellulären Prozesse die in unserem Körper ablaufen.

So ist auch unser Leistungsfenster eine ultradiane Rhythmus. Wie lange dieser Leistungsfenster dauert. Kann man nicht genau festlegen. Manche Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ein Zusammenhang mit dem Schlafzyklen besteht. Man Weiß dass ein Schlafzyklus ungefähr 90 bis 120 Minuten dauert. Dieser Zyklus fährt während des Tages fort. Man weiss z.B. aus einigen Studien, dass ein Schlaf am Mittag von großem Vorteil ist. Weil dieser Zyklus von ungefähr von 90 Minuten bis 120 Minuten während des Tages fortfährt, lehnt man die Dauer des Leistungsfensters an diese Zeitspanne an.

Das bedeutet es stehen uns während des Tages Leistungsfenster von 90 Minuten bis 120 Minuten zur Verfügung. Um diesen Leistungsfenster optimieren zu können, kann man auch ein Notizbuch führen um die individuelle Leistungsfenster zu bestimmen. Doch ein guter Richtwert ist ein Leistungsfenster zwischen 90 bis 120 Minuten. Danach sollte man sich eine Pause gönnen. So kann man Energie tanken und sich viel besser auf dem nächsten Leistungsfenster oder Sprint vorbereiten.

Energie optimal nutzen

Natürlich ist man mehr dazu geneigt den Tag als Marathon Läufer zu gestalten. Weil dies einfacher erscheint, man startet und rennt bis zum Schluss ohne eine Erholungspause. Man muss den Tag nicht einzelne Leistungsfenster aufteilen. Man beachtet aber dabei nicht dass man viel mehr Energie zur Verfügung stellen muss. Doch diese Betrachtung bringt viele Nachteile. Man braucht viel länger um sich zu erholen. Dies hat dann auch einen negativen Einfluss auf die soziale Umgebung wie durch Stress, Ärger oder Konzentrationsverlust.  

Wenn man aber die Erkenntnisse aus der Chronobiologie über den Körper miteinbezieht, ist es besser sich als Sprinter zu verhalten. Sich Leistungsfenster von 90 bis 120 Minuten zu definieren und darin 100 Prozent zu bringen. Danach in eine Pause überzugehen um Energie zu tanken. Danach legt man den nächsten Sprint fort. Weil man über den Tag mehrere Leistungsfenster definiert, nennt dies Tony Schwartz auch ultradiane Sprints. Mir gefällt dieser Ausdruck sehr. Ultradiane Sprints hört sich motivierend an. So kann man über den Tag ultradiane Sprints festlegen und in diese leistungsfenster Aufgaben definieren.

Sprints nutzen

Es ist 16 Uhr und Jens definiert für den nächsten Tag seine ultradiane Sprints. Er definiert 3 ultradiane Sprints worin er die 3 aufwendigsten Aufgaben verteilt. Nach diesen ultradianen Sprints definiert er nur noch Aufgaben die keine hohe Konzentration oder emotionale anstrenungen benötigt. Durch diese Aufteilung arbeitet er viel schneller seine Aufgaben ab. So kann er spätestens um 17 Uhr anstatt um 19 Uhr nach Hause gehen. Dadurch hat Jens viel mehr Zeit für die Familie. Jens stellt auch fest, dass die Pausen zwischen den ultradianen Sprints ihm gut tun und dass er sich viel entspannter fühlt.Er stellt auch fest, dass er am Abend viel mehr Energie hat.

Ab und zu rutscht Jens in den Marathon Modus ab wodurch er mehr Energie benötigt weil er die Pausen nicht so bewusst nutzt. Doch dadurch merkt Jens den unterschied zwischen den Arbeitsweisen.

Jens hat festgestellt, den Tag als ultradiane Sprinter durch zulaufen erfordert mehr Disziplin weil man sich den Tag mehr organisieren muss. Doch diese Organisation führt dazu, dass man mit dem eigenen Energie viel bewusster umgeht. Ein großer Vorteil für Jens ist auch das Jens mit seiner persönlichen Weiterentwicklung viel besser vorwärts kommt weil seine Arbeitsweise als ultradiane Sprinter er auf viele Tätigkeiten übertragen kann. Versucht man also den Tag in ultradiane Sprints aufzuteilen so merkt man mit der Zeit, dass man mehr Energie in seine Aufgaben investieren kann und so bessere Ergebnisse erreichen kann. Das kann sogar soweit führen, dass man sich im Leben viel besser entwickelt weil vieles was uns im Leben vorwärts bringt, ein Lernen mit einer guten Konzentration und emotionalen Belastbarkeit benötigt und diese sollten über den Tag gut organisiert werden.

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